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Bewertungserklärung



Yakuza - (10/10) - USA - 2006

Genre: Modern Metal
Label: Prosthetic Records
Spielzeit: 50:14
Band homepage: Yakuza

Tracklist:

  1. Cancer Of Industry >mp3
  2. Plecostomus
  3. Monkeytail
  4. Transmission Ends ... Signal Lost
  5. Dishonor
  6. 20 Bucks
  7. Exterminator
  8. Say Know
  9. Glory Hole
  10. Back To The Mountain
Yakuza -

YAKUZA sind das typische Beispiel für Kraut und Rüben Metal, was jetzt ausschließlich positiv zu werten ist und quasi als eine Art Vorschusslorbeeren gilt. Zum leichteren Verständnis: YAKUZA pfeifen auf Szenegrenzen und wagen den Schritt in für Metal Fans untypische, ja zum Teil sogar verpönte Gebiete. Dabei schaffen die Amis das Husarenstück, dass all die mannigfaltigen Einflüsse für den Hörer absolut nachvollziehbar und schlüssig bleiben. Zwar wird man anfänglich in gewissen Phasen durchaus auf die Probe gestellt, aber selbst schwierige Momente wie das jazzige „Monkeytail“ erweisen sich nach einigen Durchläufen als grandiose Highlights.

 

Aber erstmal zurück zum Anfang und zum orientalisch beginnenden Opener „Cancer Of Industry“, der nach kurzer Anlaufphase ordentlich durchstartet und jeden Liebhaber gut gespieltem und gleichzeitig zeitgemäßem Metals erfreuen wird. Beim folgenden „Plecostomus“ sieht die akustische Welt in der sich YAKUZA bewegen schon wieder ganz anders aus. Hier setzen erstmals die Blasinstrumente zum Sturm auf den immer fragender dreinblickenden Hörer an und was vor kurzem noch nach Metal roch, duftet nun nach verlockendem Stoner Rock. Ja gibt’s denn das, werdet Ihr Euch fragen? Ja, das gibt es und noch dazu in einer Art und Weise wie man es zuvor wohl nur ganz selten zu Ohren bekommen hat. Schon nach diesen zwei Tracks kann man Prosthetic Records zum diesem Fang gratulieren und vor YAKUZA den Hut ziehen. Begnadet, keine Frage. Teil drei der musikalischen Reise dürfte dann auch so manchen aufgeschlossenen Jazz Fan begeistern, denn „Monkeytail“ überrascht durch seine Fusion aus purem, wenn auch nicht zu nervig und frickelig gehaltenen Jazz und hartem Metal bzw. Rock. Auch wenn es jetzt etwas weit hergeholt klingen mag, aber irgendwie lässt gerade dieser Song Erinnerungen an eine Band wie RIOT und deren begnadetes, wenn nicht sogar wegweisendes Album „The Privilege Of Power“ (1990) aufkommen. Sensation, ehrlich!

 

Mit „Transmission Lost ... Signal Lost“ ist lediglich ein kurzes atmosphärisches Zwischenstück, dass als kurze Verschnaufpause dient. Verschnaufpause deswegen, weil „Dishonor“ in bester Mathcore Manier derart in die Vollen haut, dass man beinahe dazu getrieben wird zu vermuten, dass jetzt plötzlich eine komplett andere Band aus den Boxen dröhnt. Keine Angst, es sind nach wie vor YAKUZA und schlagen das nächste Kapitel von „Samara“ auf, welches im ersten Teil auch durchaus von einer Band wie THE DILLINGER ESCAPE PLAN sein könnte und gegen Ende die düstere Welt von CULT OF LUNA und Konsorten streift, bevor es nochmals für ein paar Sekunden wüst dahingeht. Ebenfalls großen Kino und schön langsam beginnt man zu grübeln, welche Art von Musik diese Band nicht umzusetzen vermag. „20 Bucks“ stellt dann abermals die musikalischen Vorstellungen jedes Metal Fans auf den Kopf, da es eine weitere Lehrstunde in Sachen kompletten Stil Overkill setzt. So wechseln sich abermals relaxte Blasinstrumente mit wildestem Metal und derbsten Gesang ab und verabreichen dem Hörer eine akustische kalt/warm Dusche die sich gewaschen hat. Selbes Szenario auch bei „Exterminator“, diesmal allerdings durch die ausgedehnte Spielzeit von siebeneinhalb Minuten in Überlänge. Die Frage, ob es vielleicht einmal langweilig wird, kann mit einem klaren Nein beantwortet werden. Dafür passiert eindeutig zuviel und so ist auch die Haltbarkeit des Albums beinahe unbegrenzt, da man mit jedem weiteren Durchlauf neue Endeckungen macht. Das schon beim Eröffnungstrack des Albums angesprochen orientalische Feeling überfällt einen auch im Schlussteil von „Exterminator“ abermals, diesmal jedoch gepaart mit durchgedrehtem Jazz und chaotischem Gesang. Starker Tobak, aber auch solche Passagen funktionieren nach mehrmaligem Hören fast von selbst. Damit die Metalkeule aber nicht zu dezent geschwungen wird, passt die nächste Nummer mit dem Titel „Say Know“ perfekt ins Gesamtbild. Hier wird feste in die Felle gedroschen, die Gitarren gewürgt und die Stimmbänder malträtiert. Aggressionsabbau gefällig, na dann Song Nummer 8 in den CD-Player geladen und auf Wiederholung geschalten. Ihr werdet Euch besser fühlen, ganz sicher, ob Eure Umgebung es aber gleichermaßen tut bleibt hier vorerst offen. Selbstversuche seien angeraten! Aber jedes Gepolter findet irgendwann sein Ende und zur Entspannung dient dann im Handumdrehen die siebenminütige Hymne „Glory Hole“, welches schwer groovend aus den Speakern plärrt. Vom Stil her ist dieser Song irgendwo zwischen den zuvor erwähnten CULT OF LUNA und den zu Recht hoch gelobten MASTODON einzuordnen. Diese waghalsige Umschreibung trifft den Nagel zwar nur bedingt auf den Kopf, da YAKUZA ihr grenzenloses Musikwirrwarr zu jeder Sekunde so geschickt anlegen, dass direkte Vergleiche mit anderen Bands stets auf klapprigen Beinen stehen.

 

Den Schlusspunkt macht die zugleich längste Nummer des Albums und nochmals werden alle Register gezogen. In neun Minuten wird all das zuvor Erlebte nochmals zusammengefasst und unverblümt an den mittlerweile vor den Lautsprechern kauernden Musikgenießer ausgelassen. Welcher Dämon hat diese Band nur geritten? Phantastisch und verblüffend, exzessiv und wunderschön, brachial und atmosphärisch, Gegensätze über Gegensätze, die sich im Falle von „Samara“ aber derart anziehen, dass es fast schon zur Selbstverständlichkeit, ja zur Notwendigkeit wird. Verrückt, nicht wahr? (Online 12. Juni 2006)

Alexander Ehringer



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