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Ob ihr nun auf supertechnischen Death Metal steht oder nicht, dass AMOK einen originellen Sound haben kann aber niemand abstreiten. Eigentlich höre ich weniger solchen wahnwitzigen Metal - ich kenne nur eine handvoll Bands, die einem solchen Sound frönen - aber ich versuche mein Bestes, um dieses Album zu beschreiben.
Ihre härtesten Parts sind wirklich verdammt heavy und zusammen mit ihrem stets unvorhersehbaren Spiel erinnert mich das an NECROPHAGIST oder ähnlich technisch gelagerte Bands, allerdings sind sie noch mehr vom Jazz beeinflusst. Wenn wir schon von Jazz sprechen, sollte man auch eine Band wie SIKTH nennen, denn das Drumming von Edward Hay schlägt jenes von Dan Foord von besagter Band um Längen und wer dessen Spiel kennt, weiß, dass das nicht wirklich so einfach ist. Ihr Drummer ist nicht nur ein Timing-Weltmeister, er führt die Band auch mühelos durch die zahllosen Tempowechsel, er ist ein großer Unterhaltungs- und Geschwindigkeitskünstler und wirkt dabei trotzdem, als ginge ihm alles leicht von der Hand und er kann auch ein Blasting hinlegen wie die ganz Großen im Extreme-Metal-Bereich. Die Gitarrenarbeit ist zwar nicht ganz so monströs, aber dennoch mächtig brutal und auch wenn sie weniger auffällt, hält sie die anfänglich sehr konfus wirkende Musik perfekt zusammen.
"Lullabies Of Silence" überrollte mich schon mit dem ersten Hördurchlauf, aber nach mehreren Durchläufen ergibt alles immer mehr Sinn und da ich gerade noch von der Instrumentierung sprach, sollte ich Bassist Wladislas Marian nicht unerwähnt lassen, denn der fällt sofort auf und folgt nicht einfach nur den Gitarrenleads wie das die meisten anderen Bassisten tun. Er sticht heraus, ohne wirklich groß aufzufallen, falls das Sinn für euch macht. Das Großartige an seinem Spiel ist, dass er zunächst sehr stark im Mix zurückgehalten wurde, nur um dann an einem bestimmten Part richtig aufzufallen. Der Gesang hat es mir ebenfalls angetan, obwohl ich anfangs noch nicht ganz überzeugt war. Doch wie die restliche Musik kann sich auch der Stil der Vocals von einer Sekunde auf die andere ändern, mal sind es Shouts (gute Shouts, nicht im Sinne von Metalcore oder Nu-Metal), mal Black-Metal-artiges Gekrächze, mal deathige Growls. Die Vocals wurden im Mix ebenfalls nicht allzu hoch angesetzt, wahrscheinlich um den Hörer mehr auf die Instrumente zu lenken und das ist hier auch verständlich; ich persönlich finde es sehr erfrischend, wenn die Musik mal nicht nur vom Gesang dominiert wird.
Wo war ich stehengeblieben? Achso, ich bin etwas von der Beschreibung der eigentlichen Musik abgekommen. Wie ich bereits sagte, sind die heavy Parts richtig hart und es gibt natürlich auch softere Stellen - hier scheinen wiederum die Jazz-Einflüsse durch, einige sind richtig interessant und in diesen ruhigeren Momenten kann man einige coole Melodien entdecken. Schön wäre, wenn diese ein wenig länger anhalten würden, aber da kommt wohl der OPETH-Fan in mir durch, der sich zehnminütige Epen wünscht, die AMOK allerdings nicht schreiben: Sie holen einfach das letzte aus dem Hörer raus bis der sich endlich durchringt zu sagen "Verdammt, diese Band ist richtig gut!".
Das ist definitiv ein Album für Leute, die die musikalische Herausforderung suchen, von daher ist das also das genaue Gegenteil von dem, was man unter Easy-Listening-Musik versteht. ich musste feststellen, dass man schon in einer gewissen Stimmung sein muss, um mit diesem Angriff auf die Lauscher klarzukommen, was mich an eine Band wie THE BEZERKER erinnert, allerdings ist es nicht ganz so schlimm. Wer mal etwas anderes und experimentelleres möchte, sollte "Lullabies Of Silence" eine Chance geben, vielleicht haut es euch genauso um wie mich.
(Online 29. Oktober 2006)
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