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Hier gibt es einen Batzen hautnahen Neandertaler-Black Metals für euch. PRIMITIVE GRAVEN IMAGE kratzen ihre Riffs von den blutbemalten Wänden feuerbeleuchteter Höhlen ab. Ich rede allerdings von den Neandertalern, wie man sie heute sieht: mit kruder Intelligenz gesegnet, keine primitiven Wilden, die noch nicht einmal aufrecht gehen können.
Sie schulden frühen DARKTHRONE ganz klar eine Menge, leisten dabei aber keine stumpfe Kopierarbeit. Was es hier zu hören gibt, sind rauhe Gitarren mit schmierigen Leadriffs und Schlagwerk, das wohl auf Mammutknochen beruht. Die langsameren Songs haben einen zäh tropfenden Doommantel, ohne dabei je ihren Black Metal-Kern einzubüßen. Auch bieten sie dabei immer die richtige Dosis Groove, womit sich ja viele Musiker in diesem Genre schwer tun. "Of What We Have Become" illustriert die Fähigkeit von PGI, widerwillige rostige Riffs in einen sehr viel lebhafteren Rahmen zu zwängen; sie erwecken Skelettüberreste wieder zum Leben, ohne sich bei solch überflüssigen Dinge wie Fleisch aufzuhalten. Ein Leitmotiv steigt und fällt wie ein Dolch bei einer Opferung; die quarzdurchzogene Decke wird in Blut getränkt; aus dem ritualistischen Messbuch werden dunkle Verse vorgetragen; der hintere Teil der Menschenmenge wird kurz von Unruhe erfaßt.
"Hellish Figurines" ist im Prinzip das von Open Grave neu verpackte Demo der Band, um Interesse am Debüt nächstes Jahr zu erregen. Insofern ist die Produktion nicht brillant, andererseits aber auch nicht störend schlecht und kann selbstverständlich zum Genuß der Platte beitragen. Insgesamt hat der Klang schön Biß (wie ein Totenschädel), alles was man hören können muß ist auch zu hören und jedes Instrument liefert einen wertvollen Beitrag. Auch der Hall spielt eine Rolle: man hat den Eintrag, die Scheibe sei irgendwo in einer großen Höhle aufgenommen worden, während draußen eine Eiszeit die Welt langsam in Frost schlägt.
"The Journey To The Forest" ist der erste Track, bei dem man von so etwas wie Tempo sprechen kann. Ich finde, es ist der beste Song auf dem Album; ein düsteres, klagendes Leadriff gleitet über dem stampfenden Schlagwerk, während die in der Distanz geknurrten Vocals vom Arktiswind zerfetzt werden. Die Tatsache, daß mir die langsameren Passagen genauso gut gefallen wie das schnelle Dröhnen dieses Songs beweist, daß PGI ganz offensichtlich Potential haben. Sie wissen auch wie man während dieser Songs für Abwechslung sorgt, wenn auch nur in Maßen. Selbst das orchestrale Intro "paßt".
Das größte Zugeständnis an DARKTHRONE ist wohl der letzte Track. Angesichts der wechselnden Dynamik und dem theatralischen Tonfall läßt sich dieser Song, was die Einflüsse angeht, absolut auf "Blaze..." zurückführen, und dessen Essenz wurde überzeugend eingefangen. Die Kontrapunktik von Schleppen und Stürmen wirkt, zusammen mit dem stachelbewehrten Lead von dem ihr hier mehrfach durchbohrt werdet, als würde man in eine Schlangengrube geworfen: auf ewig werdet ihr versuchen, den giftigen Angriffen zu entrinnen.
PRIMITIVE GRAVEN IMAGE überzeugen von der ersten Sekunde dieses Demos an, und am Schluß werdet ihr ganz genau wissen, daß man sich auf ihr Debüt freuen kann. Vielen von euch wird das hier gefallen.
(Online 27. November 2006)
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