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Alle Jubeljahre wird ein Album veröffentlicht, das so neu, so anders ist und solch eine riesige Wirkung entfacht, dass die eigene Wahrnehmung von dem, was Musik „ist“, geändert wird. Andere Male verschwindet die Veröffentlichung und wird Teil der Musik-Folklore, ein kultiges Flüstern, von dem die Leute sprechen, das man aber nie zu hören bekommt. Ich kann mir vorstellen, dass das der Grund war, warum Calculated Risk KOREISCH’s „This Decaying Schizophrenic Christ Complex“ wiederveröffentlicht haben. Remastered wurde es von niemand Geringerem als Scott Hull von PIG DESTROYER und AGORAPHOBIC NOSEBLEED. Somit kann wieder einmal eine völlig bahnbrechende Platte von einer zuvor benachteiligten Öffentlichkeit gehört werden.
Von dieser mysteriösen, minimalistischen Gruppe ursprünglich 1999 erdacht, war „This Decaying Schizophrenic Christ Complex“ die einzige Aufnahme von Sheffields KOREISCH, doch mit ihrem einen Output haben sie eins der alptraumhaft misstönendsten und doch subtil harschen Kunstwerke aller Zeiten veröffentlicht. Ja, für mich ist das hier in der Tat Kunst.
Was hier als Musik bezeichnet werden könnte, ist eine Kreuzung aus Grindcore und Sludge, getränkt in einer Masse aus Rückkopplung, Zischen und Rauschen, die über Bands wie SUNNO))) hinausgeht und zu etwas weit Vertrackterem wird. Die Tracks kombinieren im Allgemeinen abgehackten Grind im Stile von PALEHORSES’ Grind-Parts mit Sludge-artigen Mittelteilen oder Intros, die stets wirken, als würden die sich überschlagenden Riffs zu irgendetwas Fürchterlichem hinführen. Die Vocals sind intensive, gekreischte, manische Schreie, die sparsam und intelligent eingesetzt werden, während die Gitarren es schaffen, sowohl aggressiv-kraftvoll als mitunter auch verfolgend und verschwommen zu klingen. In ihren härtesten Momenten wäre die Gitarrenarbeit auch in eisigstem nordischen Black Metal nicht fehl am Platz, während das Drumming eine fantastische Kombination aus Minimalismus und Tribal-Einflüssen ist.
Melodien werden zugunsten einer kalten Wand aus Noise und experimenteller Programmierung weggelassen; der Opener “1INCHSTABWOUND“ klingt, als wäre er direkt aus der gruseligsten Stelle in einem Resident Evil-Spiel genommen worden, bevor ein gestelzt klingendes nordisches Mädel beginnt, über den kratzenden Geräuschen zu murmeln. Das ist der Inbegriff von beunruhigender Musik, und er wird von dem exzellenten Gebrauch von Samples getragen. Anstatt einfach ein Sample an den Anfang oder das Ende von einem Track zu klatschen, benutzen KOREISCH sie zum Aufbau von Atmosphäre. Nehmt zum Beispiel „ECLECTICPOWEDERBURN“, mit seinen über zehn Minuten ist es einer der vielen herausragenden Tracks. Beginnend mit einer wahnsinnigen grindenden Passage und Gekreische, verringert es bald das Tempo und wird zu einer Kombination aus trottenden, rauen Gitarren und Kick-Snare-Hi-Hat-Drumming, das von Schreien und subtilen Variationen im Drummuster unterstrichen wird. Nach ungefähr acht Minuten beginnt Johhnys Rede über das Ende der Menschheit aus Mike Leighs Film „Naked“, und sie klingt wirklich boshaft. Im nächsten Track benutzen sie Caesars Rede aus „Conquest of the Planet of the Apes“ darüber, dass die Affen wie Welt zurückerobern. Diese Momente sind es, die mir einen kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen lassen und mich wirklich schätzen lassen, was das hier für fantastisches Songwriting ist und wie sie jede Vertracktheit und Feinsinnigkeit genommen und sie zehnfach verstärkt haben.
Mit einer aufgefrischten Produktion, die die grandiose Stilbandbreite unterstreicht, haben KOREISCH ein Album erschaffen, das zu lange übersehen wurde. Von Anfang an elektrisierend und spannend, misstönend und wunderschön, ist „This Decaying Schizophrenic Christ Complex“ ein Album, das man hören muss.
(Online 2. August 2007)
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