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59 tablaturen für Carcass


Carcass - Swansong (10/10) - Großbritannien - 1996

Genre: Death Metal
Label: Earache
Spielzeit: 52:16
Band homepage: -

Tracklist:

  1. Keep On Rotting In The Free World
  2. Tomorrow Belongs To Nobody
  3. Black Star
  4. Cross My Heart
  5. Childs Play
  6. Room 101
  7. Polarized
  8. Generation Hexed
  9. Firm Hand
  10. R**k The Vote
  11. Don't Believe A Word
  12. Go To Hell
Carcass - Swansong
1996 veröffentlicht war das passend betitelte "Swansong" das letzte Album CARCASS'.

Das Album wurde von Earache veröffentlicht, weil Columbia Records den Deal mit der Band schnell wieder fallen gelassen hatte, und rückblickend kann man sicher sagen, dass es schon von Anfang an klar gewesen ist, dass CARCASS nicht die richtige Band für einen Major waren. Mit einem Label, das nicht die geringste Idee hatte, wie man das musikalische Werk einer Band vermarkten und promoten sollte, zusammenzuarbeiten ist für jede Band das Schlimmste. Es scheint als ob die Band "Swansong" schon im Februar 1995 eingespielt hatte, bevor sie es an Columbia geschickt hat. Als die Plattenfirma das Teil bekam, hatten sie ein paar Reservierungen bzgl. des Materials und es gab eine Debatte darüber, dass man das Album vielleicht neu mischen sollte. Der Job wurde an Sony vergeben (jetzt überlegt mal!), aber CARCASS waren (natürlich) wirklich enttäuscht, sie meinten, dass die Gitarren und Vocals lauter sein müssten. Dies resultierte in einer langen Verzögerung in der die Band mit ihrem Label sehr unzufrieden war und Frust schob und Bill Steer dachte ernsthaft darüber nach auszusteigen, allem Anschein nach unzufrieden mit dem neuen Material.

Aber hören wir mit den Spekulationen auf, ich könnte ein Buch darüber schreiben, aber ich denke, dass es absolut fehl am Platze und langweilig wäre, ganz egal ob ihr (äh, ich) nun ein riesiger CARCASS-Fan seid (ahem, bin).

Es ist eine Tatsache, dass Columbia die Band fallen ließ, Bill Steer die Band verließ und die restlichen Band-Mitglieder sensible genug waren, um CARCASS in Frieden ruhen zu lassen und BLACKSTAR noch vor der Veröffentlichung des Albums gründeten.

In der Besetzung verließ Amott die Band gleich nach "Heartwork" und auf der folgenden Tour übernahm der ehemalige VENOM-Gitarrist Mike Hickey seinen Posten (er war auch der erste und letzte Amerikaner, der jemals der Band beigetreten ist). Aber er und die Band funkten nicht auf der selben Wellenlänge, wie Jeff selbst sagte, und sie heuerten Carlo Regadas für das neue Album, ein recht talentierter Bursche, mit dem sie bereits befreundet waren und der ungefähr fünf Minuten von Jeffs Wohnung wohnte.

"Swansong" geht die Heaviness der frühen CARCASS ab, was keine Überraschung ist, wenn man sich den Stilwechsel schon auf dem vorhergehenden Album ansieht und der Gesamtsound ist noch weicher als auf "Heartwork". Ich meine, die Gitarren sind immer noch scharf und heruntergestimmt, aber mehr auf die MEGADETH-Art, wenn auch etwas tighter.

Die Produktion ist sehr trocken und poliert, im Vergleich mit der Vergangenheit; ich weiß nicht, ob das nun die Entscheidung der Band war oder der Druck des Labels, aber es funktioniert in meinen Ohren. Der Bass ist lauter als und auch getrennt vom Rest der Instrumente, im Gegensatz zu den bisherigen CARCASS-Platten (nun, ich muss zugeben, dass es euch deswegen so klingt, weil die Gitarren zurückgenommen worden sind), und das ist auch gut so, ganz egal was der Grund dafür ist. Ich denke nicht, dass auf dieser Platte so viele Unterschiede zu finden sind, vielleicht ist es nur die Art der Aufnahme. Meiner Meinung nach hat Colin Richardson auf "Swansong" nur das gemacht, was sie ihm gesagt haben, ohne selbst viel zum Sound beizutragen. Übrigens, obwohl es fragwürdig ist, wenn man daran denkt, wie CARCASS sich früher angehört haben, die Produktion ist fehlerlos.

Vom musikalischen Standpunkt aus ist das hier Death Rock oder eher, wie es die Band selbst genannt hatte, "Rot'n'Roll". Das Song-Writing ist im Vergleich zu den CARCASS-Standards durchaus anders. Die Konstruktion der Tracks scheint einfacher, zumeist auf Strophe-Refrain-Strophe-Strukturen basierend. Das Resultat ist ein seltsamer Hybrid aus Aggressivität und Melodie, passenderweise von zumeist mittleren Tempi verstärkt. Dennoch, der eigene Sound der Band ist gut konserviert worden, obgleich ohne Zweifel weitergetragen: Ich denke, dass es immer noch klar CARCASS sind.

Die Gitarrenarbeit ist wie immer verblüffend. Die Riffs sind catchy, immer noch gut durchdacht und konstruiert, und alle Soli treten kräftig Arsch (z.B. Bills Lead bei ca. 2:41 Minuten auf "Polarized": absolut genial). Carlo ist ein exzellenter Gitarrist, meiner Meinung nach sogar talentierter als Mike Amott. Er trägt auch zu den Kompositionen bei, bei Dreien sogar hauptsächlich (und "Black Star" ist ein absolutes Highlight).

Die Vocals sind wieder rauh und krank genug, trotz der weniger brutalen Herangehensweise an die Songs. Das Drumming ist diesmal weniger komplex, dennoch ist die Ausführung hochklassig, Ken beweist einmal mehr welch ein großartiger Drummer er ist.

Die Lyrics, allesamt von Walker geschrieben, sind direkter als auf "Heartwork", mit Blick auf soziale Themen und tiefe Gedanken. Sie zeigen eine breite Herangehensweise an die Probleme, die mit menschlichen Konditionen zu tun haben, intelligent wie immer und mit vielen witzigen Wortspielen und kulturellen Referenzen. Dies zeigt, dass die typische, direkte Einstellung der frühen CARCASS doch nicht verloren war.

Insgesamt kann man sagen, dass CARCASS mit "Swansong" ihre Seelen an den Mainstream verkauft haben, aber das bedeutet in keiner Weise, dass das Material hier schwächer wäre als auf ihren vorhergehenden Werken. Ich denke nur, dass es ein weiterer Schritt in der Entwicklung CARCASS' ist und zeigt wie talentiert und innovativ diese Band war. Ganz egal was sie spielten, sie waren großartig. Wenn nur der vereinigte Rock auch so wäre...aber ich schweife ab.

Bottom line: Das letzte und übersehene Meisterwerk der Band.

CARCASS R.I.P.

Luca Moscatiello



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