The Metal Observer - Everything in Metal!

Band-Archiv: Metalheads online.  
# | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z Nach Land | Nach Stil | Nach Reviewer






Weitere Informationen:
Weiteres zu Byzantine

Weitere Reviews
Aktuelle Updates
Artikel drucken
Bewertungserklärung



Byzantine - The Fundamental Component (10/10) - USA - 2004

Genre: Modern Metal
Label: Prosthetic Records
Spielzeit: 52:32
Band homepage: Byzantine

Tracklist:

  1. Hatfield
  2. Stick Figure
  3. Stoning Judas
  4. My New Casket
  5. Sin Remover
  6. Slipping On Noise
  7. Kill Chain
  8. The Devil’s Arithmetic
  9. Brundlefly
  10. The Filfth Of Our Underlings
Byzantine - The Fundamental Component

Da hat sich das kalifornische Untergrund Label Prosthetic Records (ALL THAT REMAINS, LAMB OF GOD, ...) aber einen ganz dicken Fisch an Land gezogen und auch wenn es jetzt etwas beleidigend klingt, aber BYZANTINE sind ein derartiges Metal Schwergewicht, das man durchaus bei einem größeren Label vermuten hätte können. Im Grunde sollte man einfach nur dankbar sein, dass immer wieder solch engagierte Labels wie Prosthetic Records mit ihrem guten Gefühl für neue hoffnungsvolle Bands derart großartige Veröffentlichungen zu Tage fördern. Mit BYZANTINE hat man eine jener Bands unter Vertrag genommen, die dem Metal derart am Zahn der Zeit fühlen, dass es schon beängstigend ist und dennoch nicht im geringsten in die Nu-Metal Schublade, wie vielleicht viele nun vermuten würden, passen.

 

Das Quartett verbindet sagenumwobene Thrash Metal Attitüde der Marke FORBIDDEN, TESTAMENT oder VIO-LENCE, mit der Brachialität hinlänglich bekannter CROWBAR oder auch PISSING RAZORS Veröffentlichungen und legt darüber noch das hochtechnische Flair und die kontrollierte Verrücktheit solcher Ausnahmebands wie MESHUGGAH oder LAMB OF GOD. All dies jedoch ohne je den Gedanken zuzulassen, dass dieses Riff oder jener Break vielleicht von einer anderen Band abgekupfert worden wäre. Authentisch bis ins Detail und mit großem songschreiberischem Können vorgetragen ist „The Fundamental Component“ eines jener Alben, das vom ersten bis zum letzten Ton überzeugt und das Gefühl hinterlässt, dass man nach dem Hören darüber im Klaren ist, in den vorhergegangen fünfzig Minuten Zeuge von etwas ganz Besonderen geworden zu sein. Genau eines jener Alben, das man sich bevorzugt in voller Lautstärke über gute Studiokopfhörer reindonnert, weil es dann erst richtig im Oberstübchen rumpelt. Oder einfach ein Album, das durch seine spielerische Überlegenheit einfach dazu verdonnert ist, die Metal Welt im Sturm zu erobern.

 

Nach einer in Eigenregie veröffentlichten 7-Song EP (2001) stellt „The Fundamental Component“ die erste vollständige Veröffentlichung dar, was in Folge des enorm hohen Standards dieses Silberlings fast schon etwas ungläubig vom Rezensenten aufgenommen wird. Bei BYZANTINE krachen musikalische Welten aufeinander und vereinen sich unter einem modernen und mächtig brutalen Deckmantel, ganz und gar ohne DJ oder in Metal Kreisen verpönten Rap Gesang. Dies hier ist Metal pur ohne Rücksicht auf Verluste, der keinesfalls kommerziellen Beweggründen folgend auf breite Publikumswirksamkeit ausgelegt ist und vielleicht gerade deswegen bei den Fans auf Anhieb zünden dürfte. Schon das durchgedreht wütende „Hatfield“ geht voll in die Offensive, verschlägt einem durch wunderschöne Solis den Atem und überzeugt mit einem wunderbar getragenen und durch kurze Percussions aufgepeppelten Mittelteil. Ansonsten regiert die Metal Keule, mit schweren Gitarren, filigranem Drumming, bedrohlichen Bässen und charismatischem, wie unheimlich variablen Gesang.

 

„Stick Figure“ ist durch seinen massiven Groove hypnotisierend und brutal zugleich. Wie PANTERA zu „Vulgar Display Of Power“ Zeiten pflügen BYZANTINE durch diesen Track und hinterlassen nichts als ein nach verbrannter Erde riechendes Schlachtfeld. Das darauf folgende „Stoning Judas“ bringt vor allem beim überwältigenden Refrain die zuvor schon angesprochene Parallele zu CROWBAR in Erinnerung. Noch perfekter wäre wohl schon wieder kitschig, oder? Weiter geht’s mit „My New Casket“, einem düsteren und leicht progressiven Thrash Metal Hammer, der den Geist dieser Musik voll und ganz in sich trägt und diesen in die heutige Zeit transformiert. Aber auch für die Death Metal Fans dürfte „The Fundamental Component“ einen großen Anreiz besitzen, denn gerade „Sin Remover“ bedient sich geschickt einiger Einflüsse dieses Genres. In Sachen Brutalität brauchen sich BYZANTINE sowieso hinter keiner Todesblei Kapelle verstecken, da würde so manche Formation wohl ganz schnell das Weite suchen.

 

In der Hälfte des Songs gibt man sich dann reichlich melancholisch, bevor abermals Sänger OJ ins Rampenlicht tritt und mit glasklarem Gesang für Begeisterung sorgt. Ebenso mitreißend ist „Slipping On Noise“, ein weiterer Geheimtipp um sich unter anfangs angesprochenem Kopfhörer den Schädel akustisch zu spalten. Sollte man dennoch Nachschlag verlangen, so folgt der nächste Rundumschlag im Handumdrehen mit „Kill Chain“ und legt den Hörer abermals mit einem killermäßigen Refrain flach. Dieser Song ist mit Sicherheit einer der Highlights auf diesem Album, sofern man überhaupt die Frechheit besitzen darf, einen der Songs von „The Fundamental Component“ zu bevorzugen. Genau das würde zum Beispiel „The Devil’s Arithmetic“ zu Unrecht benachteiligen, da BYZANTINE selbst zum Schluß des Albums hin nicht zu schwächeln beginnen. Überragend im Aufbau, detailverliebt verarbeitet und mit ungebrochenem Druck vorgetragen. Das brutale „Brundlefly“ und der rasiermesserscharfe Abschlußtrack „The Filth Of Our Underlings“ vollenden den Auftritt einer Band, die haargenau weiß, wie Heavy Metal im Jahr 2004 zu klingen hat, ohne einem verblödeten Trend folgen zu müssen.

 

BYZANTINE strotzen vor Ehrlichkeit und lassen dieser, aufgrund ihrer hohen musikalischen Begabung, freien Lauf, was im Endeffekt dem Hörer zu Gute kommt. Was also, außer der Höchstnote, wäre hier die gerechte Bewertung? In diesem Sinne ... (Online 3. Juni 2004)

Alexander Ehringer



© 2000-2013 The Metal Observer. Alle Rechte vorbehalten Haftungsausschluss