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Manticora - Nutzt jede Minute eures Lebens (Lars F. Larsen) -


Servus Jungs. Zunächst möchte ich mich bedanken, daß ihr uns vom "Metal Observer", die Gelegenheit bietet, euch diese Fragen zu stellen.

 

Kein Problem. Der Sommer scheint hier in Dänemark sowieso ausgefallen zu sein, also kann ich genauso gut den ganzen Tag vorm Computer sitzen...wenn ich nicht am Üben bin, meine ich :)

 

Ich erinnere mich noch daran, als ich zum ersten Mal "Roots Of Eternity" von euch hörte und mir dachte: "das könnte die Zukunft des Power Metal sein". Ihr habt mich dann auch nicht im Stich gelassen damit. Was denkst du über eure Anfänge und die Entwicklung der Band, jetzt da inzwischen drei Alben ins Land gezogen sind?

 

Ich erinnere mich auf jeden Fall an ein paar junge Typen, die von der Metalwelt und deren Gemeinschaft keine Ahnung hatten. Wir kamen alle aus Bands, die mit ihrer beschissenen Musik keinen Plattenvertrag erhaschen konnten, zu MANTICORA und glaubten, wir hätten etwas, daß es der Welt vorzustellen wert war, und natürlich dachten wir, daß sich das Debüt mindestens zehntausendmal verkaufen würde, vielleicht sogar fünfzigtausendmal, wenn wir Glück hätten!!! Das waren noch jene Zeiten, als das ganze Herunterladen und Kopieren von CDs keine große Auswirkungen auf den Markt gehabt hatte. Wir waren da etwas naiv, aber gleichzeitig auch sehr zuversichtlich, was unsere Musik anging, und glaubten, daß wir definitiv zur Oberklasse der während der letzten fünf Jahren debütierten Bands gehörten. Das war nicht nur dank unserer eigenen Leistungen so. Jacob Hansen zeichnete zum Teil dafür verantwortlich, daß "Roots..." so gut klingt, da er uns praktisch durch den gesamten Aufnahmevorgang geführt hat (nur vierzehn Tage!!!) und es uns ermöglichte, unsere ganzen coolen Ideen so klingen zu lassen, als ob wir sie tatsächlich so spielen könnten. Wären wir in einem anderen Studio gewesen, mit einem weniger professionellen Produzenten, wären die Reaktionen auf das Album nicht annähernd so gut ausgefallen. Letzten Endes haben wir keine zehntausend CDs davon verkauft, in erster Linie deshalb, weil es unserem Label nicht gelungen war, einen Deal für Japan abzuschließen. Wäre das geschehen hätten wir unser Ziel erreicht!

 

Als wir am zweiten Album zu arbeiten anfingen standen uns zwei zusätzliche Köpfe zur Verfügung (Jeppe und Flemming waren kurz vor den Aufnahmen zum ersten Album zur Band gestoßen, konnten sich da also nicht einbringen), was man den Songs auch deutlich anhört. "Darkness..." ist ein brauchbares Album, aber sehr richtungslos. Anscheinend wußten wir nicht, ob wir nun die progressive Route nehmen oder die Pfade des Power Metal einschlagen wollten. Ein Song wie "The Dragon's Mist" spiegelt sehr deutlich die True Metal-Welle wider, die zur Zeit gerade voll im Gang war, während beispielsweise "Critical Mass" progressiver klang als alles, was wir seitdem gemacht haben, mit einem seltsamen Rhythmuspattern, zu dem man fast nicht singen kann...aber hey, ich bin der Herr des Universums, ich habs geschafft, hehehehehe. Wir waren damals bei einem anderen Label und dachten, daß JETZT der Zeitpunkt für unseren Durchbruch gekommen war.

 

Er kam dann doch nicht, und wir konnten keine europäische Tour machen, um an die sehr positiven Rezensionen und das überwältigende Feedback von den Fans wie auch von der Presse anzuknüpfen. Wir begannen also, Material fürs nächste Album zu schreiben, da wir wohl etwas Besonderes tun mußten, um aus der Menge von Millionen mittelmäßiger Bands hervorzustechen. Wir selbst fanden, daß wir besser als je zuvor waren, da wir einen neuen Bassisten (Rene hatte die Band von sich aus verlassen) und unseren Leadgitarristen rausgeworfen hatten, der uns so sehr ausgebremst hatte, daß ich echt kein Land mehr sah...und die anderen Jungs auch nicht. Wir schrieben "Hyperion" mit Lichtgeschwindigkeit,  schnappten Martin Arendal als neuen Leadgitarristen drei Wochen, bevor wir das Studio betraten, und lieferten ein höllisches Album ab, so viel besser als "Darkness..." und eben mit viel mehr MANTICORA. Wir waren natürlich zum Touren bereit, aber unser bekacktes Label brachte es nicht zustande, etwas in die Wege zu leiten. Unser Management setzte sich mit mehreren Firmen, die Touren organisieren und produzieren, in Verbindung, aber als einzige konnten sie uns RAGE/PRIMAL FEAR anbieten. Erstens fand diese Tour einen Monat vor der Veröffentlichung unseres Albums statt, und zweitens hätten wir dafür €10.000 bezahlen müssen. Sie mußten die Hälfte der Tour absagen weil sie ihre Scheißtickets nicht verkaufen konnten!!! Und wir sollten €10.000 hinlegen!!! Arschlöcher. Ich beschloß also, selber zu versuchen, eine Tour zu organisieren (wie du vielleicht weiß arbeite ich bei unserem Management und hatte also Zugriff auf all unsere Kontakte). Ich organisierte eine Minitour durch Europa (Dänemark, Holland, Frankreich, Deutschland). Es war nichts Besonderes, aber immerhin konnten wir überhaupt auf Tour gehen. Unserer italienische Plattenfirma, die ihren Sitz in Mailand hat, gelang es noch nicht einmal, eine einzige Show in dieser Stadt für uns zu organisieren. Da sieht man mal, was sie für die Band geleistet haben -- oder eben nicht. Nach dem Gig in München hatten wir eigentlich vor, nach Mailand weiterzuziehen, aber das konnten wir dann vergessen.

 

Ich würde sagen, daß wir heutzutage eine sehr viel realistischere Einstellung haben als früher. Wir haben unseren jugendlichen Mut gegen die Weisheit des Alters ausgetauscht (obwohl das älteste Bandmitglied nur 31 ist). Wir schreiben unsere Musik jetzt auf völlig andere Weise. Wir erledigen unsere Geschäftsbeziehungen anders, und wir haben endlich einen Deal mit einem seriösen, respektierten Plattenlabel gelandet. Den Wechsel von Scarlet zu Massacre würde ich in etwa so beschreiben, als sattele man von einem Fiat Punto auf einen tollen neuen deutschen Mercedes ab. Das kleine Auto müht sich mit seinen paar Pferdestärkchen ab, aber die mächtige deutsche Maschine wird es nie überholen. Von jetzt an kann nichts mehr schief gehen, aber wir wissen auch, daß wir unsere regulären Berufe nicht aufgeben sollten, denn den großen Durchbruch, dank dem wir allein von der Musik leben könnten, wird es nie geben. Der Metalmarkt ist dafür viel zu klein heutzutage.

 

Wie sieht euer Songwritingvorgang im Grunde aus? Ist jedes Bandmitglied daran beteiligt?

 

Eigentlich nicht. Einfach ausgedrückt (und ich meine wirklich einfach ausgedrückt) schreiben Kristian und ich die Musik -- ungefähr zu gleichen Teilen. Wir schreiben lange Stücke mit sowohl Strophen, Refrains und C-Parts, oder einfach nur winzige Stücke Leim (ein kleines Riff zwischen zwei großen Riffs, das sie "zusammenleimt") und dann setzt die gesamte Band diese Dinge in den fast fertigen Song um. Meistens fällt der Song dann ganz anders aus, wenn Mads und Kasper ihn in ihre Hände bekommen haben und auch Kristian ein abwägendes Auge auf meine Riffs geworfen hat. Ich habe schon Zeug geschrieben, da wurde der Rhythmus völlig umgekrempelt, und das Riff klang danach SO viel lebendiger, als ich es mir je vorgestellt hatte. Das ist das Gute daran, in einer Band mit vier anderen zu sein. Deine Musik ist nicht einfach immer und immer wieder dasselbe (muß ich hier Namen nennen?), sondern das Gesamtprodukt vier verschiedener Geister, wodurch sie immer wieder auf den Kopf gestellt wird und kein Ansatz unverwirklicht bleibt, um den besten, aufregendsten Power Metal überhaupt zu machen.

 

Manche Leute ordnen gerne jede Band einem bestimmten Metalstil zu, und dieser Trend macht auch vorm Power Metal nicht halt. Die beiden Hauptstilrichtungen hier sind ja europäischer und amerikanischer Power Metal; wie würdet ihr euren Stil und Sound da bezeichnen?

 

Ich würde sagen, daß wir diese beiden Einflüsse kombinieren. Ich glaube wir haben schon hunderttausendmal versucht, unsere Bezeichnung als Power Metal zu rechtfertigen und zu erklären, daß wir innerhalb dieses Genres die Vermischung der beiden großen Stilrichtungen darstellen. Wir sind mit der amerikanischen Variante des Thrash Metal großgeworden - Bands wie SLAYER, TESTAMENT, EXODUS, METALLICA, OVERKILL, FLOTSAM und so weiter, und wir haben auch den europäischen Power Metal gehört von Bands wie HELLOWEEN, BLIND GUARDIAN, PRETTY MAIDS etc., aber in den Neunzigern vermengten sich diese Stilrichtungen, weshalb wir einfach Metal ganz allgemein hörten, z.B. PAIN OF SALVATION, NEVERMORE, ICED EARTH, DREAM THEATER und wie sie noch alle heißen. Dann darf man natürlich nicht die mächtigen IRON MAIDEN vergessen, sowie die Tatsache, daß Mads tatsächlich ein Freund von Death Metal ist. Man hört es seinem Drumming an. Es gibt sehr viele Aspekte, durch die sich MANTICORA deutlich von den Bands unterscheidet, die man heute noch kategorisieren kann. Wir waren uns von Anfang an einig, daß wir uns einfach weigern wollten, wie die sehr dünnen deutschen/schwedischen True Metal-Acts zu klingen, daß wir kein weiteres technisches amerikanisches Power-Outfit sein wollte, und dabei kam dann MANTICORA heraus, eine Band, die von allem etwas in sich trägt und doch ganz sie selbst ist. Insgesamt denke ich aber, daß wir Power Metal-mäßig mehr amerikanisch denn europäisch sind.

 

Liegt euch eher der Metal der "alten Schule", oder mögt ihr den neuen Trend, Orchester, Keyboardeffekte usw. zu verwenden?

 

Ich mag auf jeden Fall das neue Zeug, wenn es heutzutage wirklich so ist, hehehe. Ich möchte unsere Musik so grandios wie möglich gestalten, ohne es dabei zu übertreiben, wie BLIND GUARDIAN es beispielsweise auf "A Night At The Opera" getan haben. Auf diesem Album hört man die Gitarren fast gar nicht mehr (ein Trend, der bereits auf NFIME begann). Wir sind eine gitarrenbasierte Band und werden es immer bleiben, und deshalb wird die Rhythmusgitarre stets das Instrument sein, das man auf unseren Alben am meisten hört. Dennoch müssen wir jede einzelne unserer Ideen zunächst völlig auseinandernehmen, und dabei kommen dann Soundsamples, Keyboards und eine Menge anderer Mist, welcher die Musik erst interessant macht, ins Spiel.

 

Euer Album "Hyperion" ist ein Konzeptalbum, inspiriert von einer Erzählung von Dan Simmons. Gibt es Pläne, dieses Konzept fortzuführen? Das Album befaßte sich ja nur mit dem ersten Teil der "Quadrilogie".

 

Wir würden liebend gern "The Fall Of Hyperion" aufnehmen, haben uns aber innerhalb der Band geeinigt, daß wir es nie tun werden, sofern wir nicht die Unterstützung von Dan Simmons und seinem Agenten haben. "Hyperion" war damals ohne ihre Erlaubnis gemacht worden, was ja auch für den ganzen Trubel um uns gesorgt hat; wir mußten alle Texte komplett umschreiben, und das soll uns nie wieder passieren. Mal schauen was passiert, wenn wir eines Tages ein Konzept brauchen und mit Dan Simmons sprechen (oder, besser gesagt, wenn jemand ihn dazu zwingt, sich "Hyperion" anzuhören, damit er mal sieht wie sehr wir uns abgerackert haben, um ihm dieses Tribut zollen zu können). www.dansimmons.com

 

Nimmst du lieber im Studio auf oder spielst du lieber live?

 

Ich kann eigentlich nicht behaupten, daß mir eins lieber ist als das andere. Sie sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Ein Studioalbum aufzunehmen ist im Prinzip ein Schulausflug für ältere, junggebliebende Typen, die dann den ganzen Tag Spaß haben können, Bier trinken, sich wie Kinder benehmen. Du mußt dir darüber im Klaren sein, daß wir da drei Wochen lang ohne unsere Freundinnen sind, also benehmen wir uns ungeheuer kindisch und tun das, was Jungen eben so tun...Playstation, Bier, laute Musik, seltsames Essen usw. Wir haben immer sehr viel Spaß wenn wir zusammen sind, und vielleicht es auch genau das, was uns verbindet, wenn wir zusammen durch schwere Zeiten müssen. Beim Touren (womit wir noch nicht viel Erfahrung haben) ist es fast genauso, außer natürlich der Tatsache, daß ich mich wegen meiner Stimme nicht besaufen kann und die anderen Jungs sind auch etwas zurückhalten, weil wir unserem Publikum eine ordentliche Show bieten wollen. Wenn man besoffen ist geht das nicht, und deshalb treiben wir es nicht zu weit. Wenn man auf Tour ist, steigt bei allem der Konzentrationslevel an - ich sage nicht, daß wir keinen Spaß dabei haben, denn das haben wir auf jeden Fall - aber das Gefühl, vorm Publikum zu stehen, seine ganze Seele zu geben, ist etwas, das ich mein Leben nicht gegen etwas anderes tauschen wollen würde. Es ist ein Adrenalinschub, der noch Stunden nach der Show anhält.

 

Besteht eventuell die Möglichkeit, daß MANTICOARE auch mal in Nordamerika spielen werden?

 

Falls ProgPower uns für Atlanta buchen, jau! Ehrlich, ich hab keine Idee. Das hängt alles vom Markt ab. Wenn wir in den USA und Kanada tonnenweise Alben absetzen, werden die Labels natürlich für Toursupport sorgen und es uns ermöglichen. Leider müssen die Fans erst mal das Album kaufen, bevor wir irgendwelche Versprechungen machen können, denn erst mal muß man sich mit den Verkaufszahlen befassen, BEVOR man sich um den Toursupport kümmert! In meinen Augen ist das völlig verkehrt, aber so sieht es nun mal aus. Letztes Jahr haben wir unsere kleine Europatour aus unserer eigenen Tasche bezahlt und dabei einen Verlust von $4000 gemacht; ein Jahr zog ins Land, eh wir uns davon erholt hatten. Danach mußten wir noch $15000 für das neue Album hinlegen, die natürlich auch irgendwie abgedeckt werden müssen; dieses Mal vom Profit von dem Album. Falls es sich nicht so verkauft, wie das Label und wir selbst es erwarten, können wir das Geld nicht wieder reinholen und werden keine andere Wahl haben, als mit der Band aufzuhören. Einige von uns werden Väter usw., wir können unsere Familien nicht auf Spiel setzen, indem wir weiter an das Gute im Menschen und seinen unersättliche Gier auf MANTICORA glauben. Wenn wir andererseits eine Menge Alben absetzen, werden wir das Geld davon ins Touren stecken, damit wir noch mit der Band mehr Menschen erreichen können. Am Ende gewinnt auf jeden Fall der Fan!

 

Was findest du am Musikgeschäft am "unattraktivsten"?

 

Da gibt es einige Aspekte, die ich gerne mit einem herzlichen "FUCK" bedenke. Ich werde aber versuchen, mich vernünftig auszudrücken...zunächst einmal mag ich Leute nicht, die angeblich soviel für die HM-Gemeinde tun -- ODER allgemein für die Musik, die aber letzten Endes nichts weiter sind als Typen, die sich eine Portion vom VIEL zu geringen Einkommen in diesem Geschäft unter den Nagel reißen wollen. Es gibt viel zu viele Labels, die Alben weit unter dem normalen, erwarteten Standard veröffentlichen. Das wird gemacht, um einen kontinuierlichen Fluß an Veröffentlichungen vorzeigen zu können, woran die Vertriebsfirmen wiederum sehen, daß man jeden Monat etwas veröffentlichen kann. Es unterminiert den Markt für jene Bands, die wirklich etwas vorzuweisen haben, denn der Markt ist hoffnungslos überfüllt. Journalisten erhalten viel zu viele CDs zum Rezensieren, die Fans müssen unter Tonnen von Veröffentlichungen wählen und zu 99% davon "nein" sagen, und last but not least setzt es größtenteils die Fähigkeit zur Selbstkritik vieler Künstler außer Kraft (und damit ihre Träume, dank der falschen Grundlagen, auf denen die Vertragsabschlüsse beruhten). Man erhält als junge Band einen Vertrag und erfährt schließlich, daß sein Produkt sich weltweit 250mal verkauft hat. So was finde ich den Bands gegenüber nicht fair. Ich würde einer mittelmäßigen Band lieber direkt zu Anfang sagen, daß sie nichts taugen. Dadurch haben sie eine Gelegenheit, ihr musikalisches Können, ihre Ideen, ihr Line-up usw. zu verbessern, ohne daß sie erst von der Presse verrissen werden.

 

Zweitens ist es ein RIESIGES Mißverständnis seitens egoistischer Fans, daß alle Musik einfach online ausgetauscht werden sollte, und daß Kunst für jedermann frei verfügbar sein sollte -- und nicht etwas, an dem man Geld verdient. Vielen ist es nicht bewußt, daß wir versuchen, hiervon zu leben. Wenn wir nicht durch steigende Verkaufszahlen entlohnt werden, können wir nicht für unsere Familien sorgen und könnten daher nicht weiter Musik machen. Keine MANTICORA mehr (ebenso wie die anderen Bands, von denen täglich gestohlen wird) und damit auch keine Kunst mehr, die man tauschen könnte...Die Leute müssen sich bewußt machen, daß wir eben NICHT an jeder CD Millionen verdienen. Pro CD macht die Band vielleicht einen Euro. Multiplizier das mit 10000, zieh die Prozente des Managements ab (normalerweise sind das 15-25%), teil es durch sechs oder wie viele Leute auch immer in der Band sind, zieh noch mal 35-50% an Steuern ab, je nachdem wo man sich in der Welt befindet, und schau dann, ob dir die Zahlen immer noch zusagen. Ganz abgesehen davon, daß man ja auch sein eigenes Aufnahmebudget abdecken muß. Mit einer Veröffentlichungsfrequenz von einer CD alle zwei Jahre kann man noch nicht mal seine Instrumente bezahlen. Ich hab aufgehört, mit Leuten darüber in Foren zu streiten; du kannst sie einfach nicht überzeugen. Sie werden sich immer irgendwie rechtfertigen und sagen "wenn ihr aufhört wird eben irgendeine andere Band Musik wie die eure spielen". Das ist völliger Schwachsinn und das wissen sie auch, aber sie wollen es nicht zugeben. Wenn du ein Produkt willst, dann geh in den Laden und KAUF es. Ich gehe bei McDonalds ja auch nicht hinter die Theke und greife mir was ich gerade will mit der Ausrede, "ich will euer Essen, aber Essen sollte für jedermann sein und deshalb bezahle ich nicht". Ich käm in den Knast!!!

 

Es gibt natürlich noch eine Menge anderer Dinge die mir an der Musikindustrie nicht gerade zusagen, aber wenn ich einmal damit anfinge könnte ich eigentlich gleich ein Buch schreiben, hehehe.

 

Kannst du uns, nun da ihr einige Jahre an Erfahrung gesammelt, ein oder zwei Anekdoten aus eurer Vergangenheit erzählen?

 

Okiedokie. Letztes Jahr waren wir als Headliner auf einer Minitour durch Europe. Wir hätten gern eine längere Tour gemacht, aber außer RAGE/PRIMAL FEAR war nichts zu holen. Leider fand sie einen Monat vor der Veröffentlichung von "Hyperion" statt, also beschloß ich, die Tour selbst zu buchen (ich bin nicht aufzuhalten :) ).

 

Wir hatten einige Shows gespielt und fanden uns schließlich in dieser Jugendherberge in einem Skulpturenpark wieder, die aus kleinen Häusern, über einen großen Trakt Land verteilt, bestand, mit einem Wald, einem kleinen See, einer Wiese usw. In diesem Park gab es eine Menge furchterregender Skulpturen (wie z.B. eine vier Meter große Spinne oder zwei Meter lange Ameisen, die aus Löchern im Boden krochen!!) und natürlich auch einen Grillplatz. Nun, wir kamen da am Tage von Mads' dreißigstem Geburtstag an, der zufällig ein Sonntag war. Am nächsten Tag hatten wir gewissermaßen frei, also beschlossen wir, eine Party für den alten Schlagzeugertypen da zu schmeißen. Ab gings in diese unheimlich kleine Stadt, wo nur die Tankstelle noch geöffnet hatte. Da gabs etwas Brot und eine Menge Bier, aber weder Fleisch noch Kartoffeln. Die recht stattliche Tankstellenbesitzerin telefonierte mit einigen Freunden und schickte uns schließlich zu diesem Typen, der selber geräuchertes Fleisch "herstellte" (für Würste usw.). Die Fahrtzeit betrug zwei Stunden, und zwischendrin hielten wir noch an einem Bauernhof an, um Kartoffeln zu kaufen. Der Typ im "Fleischladen" verkaufte uns genug Fleisch für 200 Personen, und wir bezahlten ca. 50 Euro! VERDAMMT billig.

 

Jedenfalls beförderten wir das Essen in unsere Mägen, fingen an zu trinken und beschlossen später am Abend dann, Mads ein kleines Geburtstagslied zu singen. Es gibt da dieses dänische Lied, in dem wir alle beschließen müssen etwas zu tun, um das Geburtstagkind zu grüßen, so etwa "und schau, wie wir alle klatschen, blahblahblah...mit den Füßen stampfen, schreien" und so weiter. Mein Bruder (Roadie und Fahrer) filmte das alles. Nach dem üblichen Kram wurden wir fiese, und schließlich sang unser anderer Roadie "und schau, wie wir uns alle nackt ausziehen"...! Wir liefen natürlich alle auf die Wiese, zogen unsere Hosen runter oder das Hemd übern Kopf..AUSSER Martin (Gitarren), der VÖLLIG nackt dastand und seine Kleider durch die Gegend warf. Er hatte sich seiner ganzen Kleidung in derselben Zeit entledigt, in der wir gerade mal die Hosen um die Knöchel gezogen hatten. Wir haben es auf Video und müssen immer, wenn wir es uns ansehen, drei- oder viermal zurückspulen, weil dieser Moment wirklich zum absolut lächerlichsten überhaupt gehört.

 

Was während dieser Tour auch noch lustig war: wir fuhren von Holland nach München und übernachteten in diesem sehr coolen Hotel außerhalb von München. Wir kamen um acht Uhr abends an, duschten und holten uns etwa zum essen. Wir sahen gerade im Restaurant bzw. der Bar fern (Fußball), als Goethe (unser Keyboarder Martin) plötzlich sagte: "es ist eigentlich ziemlich scheißlustig, wenn du vor einem Wort 'Nazi' sagst..so gewissermaßen - 'ich sitze an diesem Nazitisch', oder 'wo hast du diesen Nazihut gekauft?' Wir haben natürlich alle angefangen zu lachen. Dummerweise war da an der Wand nur diese Gedächtnistafel für gefallene Soldaten aus dem zweiten Weltkrieg, und jeder in der Bar konnte ihn hören. Tatsächlich IST es ziemlich witzig, Wörter mit 'Nazi-' anzufangen, nur eben nicht in Schweitenkirchen in Bayern, hehehee.

 

Ich nenne dir jetzt vier Bandnamen. Welche dieser Bands hat deiner Meinung nach die Metalszene am meisten beeinflußt, und wieso? IRON MAIDEN / HELLOWEEN / BLACK SABBATH / JUDAS PRIEST

 

Ich schätze, das kommt darauf an wie alt man ist. Wenn man über 40 ist lautet die Antwort sicherlich BLACK SABBATH, denn sie haben in den Siebzigern die Leute beeinflußt. Ja, JUDAS gab es damals auch, aber sie haben nicht so viele Platten verkauft wie BS und hatten keine so große Publikumswirksamkeit. Wenn man zwischen 30 und 35 ist würde ich IRON MAIDEN sagen. Sie waren die ganzen Achtziger durch einfach nur großartig, und ich denke, daß ihr Material einfach jedem gefällt. HELLOWEEN nehmen in der Welt des Heavy Metal eher einen Nischenplatz sein. Mit ihrer Bezeichnung als Power Metal sind sie sogar einer Unterkategorie zuzuordnen, während die anderen Drei einfach nur Heavy Metal sind. Wenn man in einer Unterkategorie steckt, übt man keinen so großen Einfluß aus wie die großen Fische, bei denen es in der Presse gar nicht erst zu Genrediskussionen kommt.

 

Könnt ihr alle von der Musik von MANTICORA leben?

 

Nein, keiner von uns (s.o.). Hoffentlich werden wir es eines Tages können.

 

Du hast das letzte Wort. Deine Chance der Welt mitzuteilen, was du denkst :) :)

 

Seid jede Minute eures Lebens produktiv. Alles andere bedeutet Versagen. Paßt auf euch auf da draußen.

 

Discographie:

 

1997: Dead End Solution (Manticore, MCD, Eigenproduktion)

1999: Roots Of Eternity (CD, Black Lotus)

2001: Darkness With Tales To Tell (CD, Scarlet)

2002: Hyperion (CD, Scarlet)

2004: 8 Deadly Sins (CD, Massacre)

Mathieu Chamberland



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