|
Ungarn und Prog Metal, ja genau, haha! Ungarn und Prog Metal, wenn das mal keine witzige Zusammenkunft von Geographie und Musikgenre ist, nicht wahr? Trotz meines sarkastischen Beginns und der Tatsache, dass meine Kenntnisse im ungarischen Metal gleich Null sind, muss ich doch zugeben, dass ich mit EVERWOOD eine ganz nette Zeit verbringen konnte und „Mind Games“ konnte mich wirklich überraschen.
Die jungen Herren in dieser Band spielen mit ambitionierten Sounds und symphonischen Arrangements. Die Kompositionen von „Mind Games“ sind voller metallischer, runtergestimmter Gitarren, die der Band sogleich eine eigene Persönlichkeit verleihen. Das symphonische und progressive Keyboarding ist dagegen eher traditionell und es sorgt für stimmungsvolle Vibes und eine zusätzliche Portion Melodien.
EVERWOOD könnten ein Kind von KAMELOT sein, jawohl, von KAMELOT! Nicht nur, dass Balazs Koncz Gesangsleistung stark an die Exzellenz von Roy Khan erinnert (er hat seine Reichweite drauf, es fehlt nur noch an Feinheiten), auch die epische Atmosphäre von Alben wie „Karma“ oder „The Fourth Legacy“ kann man bei den Ungarn finden und so erhält ihr Album ein besseres, begrifflicheres Feeling. „Jean D’Ark“ löst die größten Gefühle aus, es ist eine verwirrende Mischung aus dramatischen Rhythmen, volkstümlicher Sitar, manischen Keyboards und Gitarrensoli sowie hochtrabende DREAM THEATER Passagen, die an die technischen Kapriolen von „Metropolis – Part 1“ erinnern.
Kalkulierte Instrumentals zum Aufzeigen der eigenen Fähigkeiten sind weniger gefragt, sie haben nur ein typisches Instrumental verwendet, das damit auch die Prog Bezeichnung für diese Band gerechtfertigt, allerdings hat dieses Stück nichts mit wilden Gitarrenorgien oder skalenreichen Soli zu tun. Exzentrisches ist ohnehin nicht in ihrer Musik gefragt, vielmehr umgibt die zwölf Tracks etwas Einheitliches, kein verdammtes Rumgewichse sondern Prog Metal organischer Natur.
Die Band hat ihr Rezept gefunden und ihr Album ist eine tolle Sache, sie haben die Kontrolle und eine klare Sicht auf ihr Tun, ein wirklich gutes Debüt. Die Produktion hat Druck und ist klar, die Songs beweisen ihre Mühe und ihr Talent, jetzt müssen sie sich nur noch weiterentwickeln. Dies ist sicherlich kein Chartbreaker oder ein erschütterndes Meisterwerk, aber für diese ungarische Band ist „Mind Games“ eine ganze Menge. (Online 23. Mai 2005)
|