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Bewertungserklärung

11 tablaturen für Dark Angel


Dark Angel - Time Does Not Heal (8,5/10) - USA - 1991

Genre: Thrash Metal
Label: Combat Records
Spielzeit: 67:08
Band homepage: Dark Angel

Tracklist:

  1. Time Does Not Heal >mp3
  2. Pain’s Invention, Madness
  3. Act Of Contrition
  4. The New Priesthood
  5. Psychosexuality
  6. An Ancient Inherited Shame
  7. Trauma And Catharsis
  8. Sensory Deprivation
  9. A Subtle Induction >mp3
Dark Angel - Time Does Not Heal

Meistens, wenn man einen Aufkleber sieht, der einem von dem Cover eines Albums aus anblickt, ist es entweder: A) Ein Ausschnitt aus einem Review, welches das Album als eine Rückkehr zu alter Form lobt, oder B) Der geniale Marketing-Trick „mit Musiker X aus Band Y“. Hinter nichts davon steckt für gewöhnlich viel und nichts ergibt etwas Verlässliches. Bei DARK ANGEL’s letztem Release vor der Trennung haben sie eines dieser Aufkleber tragenden Alben abgeliefert. Allerdings ist ihre Message ziemlich unkonventionell. Statt eines Marketing-Tricks, der Halbwahrheiten und fehlerhafte Informationen enthält, präsentieren uns Gene und Co. einen K.-o.-Schlag gegen den Kiefer. „9 Songs, 67 Minuten, 246 Riffs!“ Ich wiederhole, „9 Songs, 67 Minuten, 246 Riffs!“.

 

246 Riffs muss nicht unbedingt gut sein, sagt ihr? Nun, das ist natürlich ganz richtig. Selbst wenn OPETH die Riff-Anzahl aus ihrer nächsten Veröffentlichung vervierfachen würden, wäre Mikael Akerfeldt immer noch nicht in der Lage, ums Verrecken einen Song zu schreiben. Aber das hier sind DFA, und wir wissen beide, dass DFA nichts Schlechtes machen können. Von dem exzellenten, quälenden akustischen Intro bis zu dem furiosen 246. Riff, welches das Album beendet, kriegen wir gnadenlose, erstklassige Thrash-Stücke um die Ohren gehauen, die die Platzierung dieser Band in der „HÖRE UNS UND DU WIRST DIE KONTROLLE ÜBER ALLE KÖRPERFUNKTIONEN VERLIEREN“-Kategorie festigen.

 

Sobald dieses höllisch heftige Riff über der Akustikgitarre einschneidet, weiß man, dass einem ein Hölle von einem Ritt bevorsteht. Der Gitarrenklang wurde höllisch verbessert, und Meyers und Eriksens gellenden Leads und Riffs zuzuhören, ist atemberaubend. Die Geschwindigkeit hier ist intensiv, entspricht aber nicht ganz dem MACH 3-Angriff von „Darkness Descends“. Genes Drumming ist wie immer furios und gut überdurchschnittlich. Wir bekommen auch etwas mehr Abwechslung als auf DD, und das trägt dazu bei, dem Gesamtsound eine Texturebene hinzuzufügen. Der fette Gitarrenklang und der Sound des Drummings wird schön mit einer exzellenten Produktionsarbeit betont, die es schafft, das aufzuklären, was das zuvor genannte Album runtergezogen hat, während sie immer noch diesen Oldschool-Sound aufrecht erhält.

 

Ron Rineheart hatte auf dem vorigen Album, “Leave Scars”, seinen ersten Auftritt und ist wieder mal zurückgekehrt, um seine Hörer in Schrecken zu versetzen. Seine Herangehensweise ist relativ solide und trägt ihren eigenen, einzigartigen Sound. Dabei kann ich nicht anders, als diesen Hieb zu vermissen, den Don Doty in den Mix injiziert hat. Rineheart singt sich auf diesem Release die Seele aus dem Leib und ist ziemlich gut, steckt aber in dem Schatten von jemandem, den er niemals wird ersetzen können (so ziemlich wie Jason Newsted). Lasst uns alle froh sein, dass Gene sich nicht mit jemandem von viel kleinerem Kaliber zusammengetan und das Schicksal von MEGADETH erlitten hat.

 

Neben dem abgedrehten Riffwahnsinn und dem umhauenden Drumming bieten DFA etwas Anderes, das ziemlich einzigartig ist. Die auf „Time Does Not Heal“ zu findenden Lyrics entsprechen den gewohnten Standards, und Gene enttäuscht niemanden. Killerrefrains wie „Time does not heal/The torture struck upon my past/Time does not heal/The scars that were left and meant to last!” sind in rauen Mengen zu finden. In Zeilen wie “When written words are now legible/The story can be told/But when they're thrust too close to my eyes/They become a blindfold” sickert Intelligenz durch. Das ganze Album ist wie das Waten durch den hartnäckigen, sich stets entwickelnden, trüben Sumpf eines neurotischen Geistes. Gent euch dem ganz hin und ergötzt euch an der Gewalt.

 

Was dieses Album an Geschwindigkeit geopfert hat, hat es technisch dazu gewonnen. Das hier ist bei weitem der fähigste Moment dieser Gruppe hinter ihren Instrumenten und wird in der emotionalen Riffgalerie und den vertrackten Songstrukturen treffend dargestellt. Die neun hier zu findenden Stücke sind etwas länger als das, was wir in der Vergangenheit bekommen haben, und erweisen sich als umso technischer. Das hier ist richtig gemachte Reife und Fortschrittlichkeit, in der das Thrash-Element nicht vollkommen geopfert wird. Mitunter erinnert es mich an CORONER, und dann trifft uns urplötzlich dieses esoterische Riff am Anfang von „Psychosexuality“, das stark nach DEATH zu „Symbolic“-Zeiten riecht. Letztendlich kehrt das Album mit dem headbangtauglichen Mahlstrom, den „A Subtle induction“ darstellt, zu seinen Wurzeln zurück und endet auf eine chaotische und diese Weise, die einen daran erinnert, dass das hier DFA sind und dass sie ein gottverdammtes Rückgrat rausreißen werden.

 

Am Ende steht die Tatsache, dass das hier DARK ANGEL sind und das hier Thrash ist. Er mag nicht so intensiv und lebensbedrohlich sein wie „Darkness Descends“, aber er ist meilenweit über dem Mittelmaß und wird euren Kopf garantiert am Bangen halten. Also rockt weiter, und hoffentlich wird das hier dabei helfen, mit der Vorfreude auf “Darkness Returns“ und DFA’s Reunion fertig zu werden. „9 Songs, 67 Minuten, 246 Riffs!“ (Online 11. Juni 2005)

Charles Theel



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