The Metal Observer - Everything in Metal!

Band-Archiv: Metalheads online.  
# | A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z Nach Land | Nach Stil | Nach Reviewer






Bandhistory folgt.

Weitere Reviews
Aktuelle Updates
Artikel drucken
Bewertungserklärung



Höllentor - Blessed Are The Strong, Cursed Are The Weak (7,5/10) - Deutschland - 2005

Genre: Black Metal
Label: Twilight-Vertrieb
Spielzeit: 38:25
Band homepage: Höllentor

Tracklist:

  1. Without Light, Without Love, Without Trust And Without God >mp3
  2. Murderer Of All Gods
  3. Satanic Black Metal
  4. Black Seeds Of Emptiness
  5. Blackstorms And Winds Of Wrath Proclaim The Last Infernal War
  6. Moonlightshadows Embraces My Forgotten Grave
  7. The Gathering Betweeen Demonic Strength And Ancient Wisdom
  8. Tears Of Angels With Broken Wings
Höllentor - Blessed Are The Strong, Cursed Are The Weak

Nun, was sagt es denn auf der Box? „Rau und primitiv.“ Öffnen wir also das Kistchen und gucken mal, was HÖLLENTOR uns da anzubieten haben. Rau? Ja, rauer als die Knie eines Shorts und T-Shirt tragenden Motorradfahrers nach einem Sturz bei 150 km/h. Primitiv? Da könnt ihr drauf wetten, ich bin mir sicher, diese Jungs schon mal bei einer Volvic Werbung gesehen zu haben.

 

Beim Black Metal wird viel über Atmosphäre gelabert, HÖLLENTOR haben ihr eigenes Wetter, das sie umgibt. Sonnige Tage könnt ihr gleich vergessen, für dieses Pack braucht ihr eure Winterpullis, denn es ist dunkel, es ist kalt und es ist feucht. So wird der Gemütlichkeitsfaktor zu einer weit entfernten Erinnerung, und das letzte was ihr euch wünschtet ist die Begleitung dieses frostigen Windes in den tieferen Regionen, eure Eier sind verdammt.

 

Diese Jungs sitzen ganz hinten in ihrer Klasse in der Old School, und wie ihr euch deshalb wohl denken könnt, hat es Groove in ihrer Musik. Hat hier jemand Satan erwähnt? Gut für dich mein Sohn, denn man hört oft, dass er die besten Songs hat, und mit „Satanic Black Metal“ hat er diesen Unheiligen einen der kultigsten Knaller an korrupter Kakophonie dieses Jahres eingeflösst. Er beginnt mit wirklich schlechtgelaunten, doomigen Gitarren und einem soliden Knüppelteppich von Bass und Schlagzeug, bevor dann der bestialische und rasende Refrain davonjagt, auf seinem Weg noch ein paar Schädel spaltend. HÖLLENTOR fetzen dann weiter mit einem Riff aus dem tiefsten Höllenschlund, welches euch zum Songende hintaumeln lässt. Der Bastard sollte geknebelt werden.

 

“Blessed...” hat einen richtig dreckigen Klang. Nicht vom Blut und den Eingeweiden einer Grindcore Band, sondern vom Staub und dem andauernd verschmutzten Wasser eines Kohlenbergwerks. Der Gitarrensound hat mehr Fuzz als Algernon, 15 Jahre alt, Fussel an seinem Kinn hat, und dampft und zischt wie ein nasser Hamster in einer Friteuse auf Höchsttemperatur. Während es dort das Motto mehrheitlich lautet, haltet eure Hüte fest, so schaltet „Murderer Of All Gods“ einen Gang zurück zu einem glockenschlagenden Todesmarsch, der bei seinem Gang durch die Dunkelheit über einige Grabsteine stolpert. Das Verharschen von Oxidationsmitteln sorgt für einen Metal, der am Rand zerbröselt, darunter aber dennoch täuschend solide ist. HÖLLENTOR sind aber am fesselndsten, wenn sie Kohle ins Feuer schütten und einen Dampfkessel aufbauen. Hier tragen die fräsenden Gitarren ihren Kampf mit dem alles zum Einsturz bringenden Bass, was wohl all jene zufrieden stellen dürfte, die sich unablässig über die vernachlässigte Rolle der Instrumente beschweren. Das Schlagzeug hat eine etwas gedämpfte Textur, insbesondere die Becken, was zum organischen Klang des Albums beiträgt. Der Gesang besteht aus einem knurrenden Krächzen, welches sich verachtend über Religion äußert, und perfekt zur Musik passt.

 

Die letzten vier Tracks erschienen erstmals auf dem „Christripping“ Demo. Ich weiß nicht, ob sie direkt übernommen oder erst noch überarbeitet wurden, aber sie klingen definitiv noch rauer. Und obwohl sie rauer als ein Dachsarsch sind, so sind diese abschließenden Tracks immer noch fesselnde kleine Schienbeintreter. Das Keine-Rüschen-Motiv wird beibehalten, aber HÖLLENTOR arbeiten ihr Werk mit subtilen, minimalen Effekten aus, die ausgeglichen genug sind um charakteristisch zu sein, ohne dabei die Verachtung abzuschwächen. So wirkt sogar der Türklingel-Effekt beim letzten Song gelungen, auch wenn er alleine wohl ziemlich lächerlich tönen würde. Diese grundlegenden Tricks genügen, um das Interesse daran aufrechtzuerhalten, was essenziell kein Nonsens Black Metal ist.

 

Etwas als traditionell zu beschreiben wird manchmal als Nachteil angesehen, und wenn es darum geht, einen Esel von einem Turm zu werfen stimme ich dem auch zu. Aber HÖLLENTORs Black Metal Ansatz verdient Beifall, denn sie wissen, wie man gehörig Arsch tritt und den Hörer dennoch lächeln lässt. Jetzt müssen sie nur noch damit aufhören, Dinosaurier mit Steinen zu bewerfen, und ihr nächstes Stück Schmutz fertig stellen. (Online 29. Januar 2006)

Niall MacCartney



© 2000-2013 The Metal Observer. Alle Rechte vorbehalten Haftungsausschluss