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Ich muss sagen, dass mich RIVERSIDE’s Debüt 2004 mit seiner Pracht umgehauen hat. Aber was so oft ein Problem ist, wenn eine Band ein beeindruckendes Debüt rausbringt, ist die Fähigkeit, mit einem ausreichend guten zweiten Release nachzufolgen. Um mich also ebenso zu verblüffen wie „Out Of Myself“, müsste „Second Life Syndrome“ den Boden mit meinen Ohren wischen, um den Erwartungen gerecht zu werden...
Als ich also das neue Album erhielt, hatte ich gemischte Gefühle. Ich war mir wirklich nicht sicher, was ich zu erwarten hatte – vielleicht hatte die Band gedacht, dass der einzige Weg, ein so gutes Album wie das letzte zu schreiben, der wäre, einfach die Formel der vorigen Songs zu kopieren, oder vielleicht hatten sie beschlossen, eine neue Richtung einzuschlagen, die mich nicht beeindrucken würde. Aber ich hatte kein wirkliches Recht, irgendetwas Schlechtes zu erwarten; diese neuen Songs könnten sogar ihre bis dato besten sein, obwohl ich bezweifelte, dass sie jemals „Loose Heart“ toppen könnten. Wie auch immer, ich bin also endlich dazu gekommen, mich mit der CD zu beschäftigen: der erste Track ist „After“, und er legt nach etwa 40 Sekunden los, der kurzen, geflüsterten Einleitung folgend. Er hat ein leicht anderes Feeling als die RIVERSIDE, mit denen ich vertraut bin, wobei die Drums eine andere Stimmung erzeugen als die auf dem vorigen Album. Aber der Song ist immer noch melancholisch genug, besonders gesanglich, mit hohem Frauengesang am Ende; ein großartiger Track, der perfekt als Einleitung dient.
Wir gehen weiter zu “Volte-Force”, die Instrumente bauen sich aus der Stille auf, und das Feeling ist etwas rockorientierter. Und wenn die Gitarre einsetzt – das ist es, wovon ich spreche! Piotr hat solch eine charakteristische Art zu spielen, und seine Tonwahl lässt dich sofort wissen, dass er es ist, sowohl in den Riffs als auch in den Soli, und das ist eines der Dinge, die RIVERSIDE zu dem machen, was sie sind. Der Song bewegt sich durch einige heaviere Riffs fort, erfrischend, wenn sie mit Orgelklängen kombiniert und ihnen sanftere Passagen gegenübergestellt werden, und das demonstriert die Abwechslung in „Second Life Syndrome“. „Conceiving You“ ist ein viel sanfterer Song, vielleicht sogar die Ballade des Albums, aber lasst euch davon nicht abschrecken – einige wirklich brillante Melodien, welche das wundervolle Gefühl in Mariusz Dudas Stimme und auch sein Talent an der Bassgitarre in Szene setzen.
Das Highlight des Albums ist definitive der Titeltrack, ein absolutes Prog-Meisterwerk, in jedem Bereich. So viele Atmosphären werden erzeugt und abgedeckt, und es ist wirklich unglaublich, dass er fast 16 Minuten lang ist, aber sich nie zieht. Es gibt nicht viel mehr, was ich über ihn sagen kann, die Gitarren- und Gesangsmelodien sind wieder einmal so wunderschön bewegend, dass es eigentlich eines meiner Lieblings-Prog-Epen aller Zeiten ist. „I Turned You Down“ muss auch als wahrlich besonderer Track erwähnt werden – ziemlich langsam, aber wieder einmal prächtig. Und anschließend wird die „Reality Dream“-Trilogie in Teil 3 abgeschlossen und fügt noch mehr zu der 7/8-Taktart hinzu, die bereits in den Teilen 1 und 2 von „Out Of Myself“ aufgebaut wurde.
Ein Reinfall wäre “Artificial Smile”, ein Song, der eher einen Rock-Vibe hat und meines Erachtens nicht ganz zu den anderen Songs passt und mich eigentlich ziemlich nervt, aber dann wiederum ist das meine Meinung, und es ist nichtsdestotrotz ein solider Track. Die Musizierung ist jedenfalls sehr gut, besonders während der progressiveren Passagen, und die Produktion ist auch sehr nett. Insgesamt haben es die Polen glücklicherweise wieder geschafft, und ich kann heute Nacht mit dem Wissen schlafen, dass RIVERSIDE sich mit zwei großartigen Alben in der Tasche sicherlich den Weg für eine vielversprechende Karriere bahnen. Eine weitere unglaubliche konzeptionelle Reise, die einem ziemlich alten Stil neues Leben einhaucht, obwohl ich glaube, dass es nicht wirklich fair ist, sie in irgendein Genre zu werfen, da ihr Sound einfach unmöglich zu erfassen ist.
Zuletzt glaube ich, dass ich erwähnen sollte, dass meine Ohren wirklich am Boden fest hingen und ich eigentlich glaube, dass sie sich immer noch am Erholen sind. Also besser als das Debüt? Das ist wirklich schwer zu entscheiden, aber so oder so, sie sind beide kaufenswert. (Online 24. April 2006)
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