|
Ich bin sprachlos, denn diese Scheibe ist einfach unglaublich. Habe ich durch Zufall bei einem Kumpel gesehen, der wusste selbst nicht was SARACEN ist, da sie ihm ein weiterer Kollege gebrannt hatte. Und das ohne Songtitel ohne Cover, also völlig Blanko. Geht so Richtung MAGNUM hat er gesagt. Nun, ich kenne zumindest den Namen SARACEN schon, da ich schon seit Jahren des öfteren über die „Heroes, Saints and Fools"-EP stolpere, die ja als absoluter Klassiker bezeichnet wird. Aber, es ist eben nicht alles interessant, was als absoluter Klassiker angepriesen wird. Zumal besagte EP aus dem Jahre 1981 stammt, wo die NWoBHM am brodeln war und Sachen aus dieser Zeit genieße ich mit Vorsicht.
Fakt ist, dass SARACEN nie eine Metal-Band waren, sondern sich eher dem Hardrock mit Prog-Schlagseite zugetan fühlen. Mich erinnert es an Bands wie MAGNUM oder PRAYING MANTIS, typisch britisch also – hat nix mit dem süßlichen Scheiß aus Amerika zu tun. SARACEN sind so emotional, so gewaltig, dass ihnen Klassikerstatus gewiss sein sollte. Mehrstimmige Vocals prägen das Bild und das ist so ergreifend und genial umgesetzt, dass selbst DEF LEPPARD das Nachsehen haben. Aber SARACEN sind keinesfalls auf 3 Minuten Radiosongs festgelegt, die Stücke haben zwar ein Optimum an Melodien, Hooks und Chören, ufern aber immer aus und lassen geschickte Wendungen und Breaks zu, dass man förmlich darauf gespannt ist, was da noch kommen mag.
Auf diesem Album kommen sowohl alte Songs, neue als auch Stücke von Band-Kopf Rob Bendelow’s Soloalbum „Templar“ zum tragen, was fast schon einer Art „Best Of“ gleichkommt. Als Einstieg in nen Kosmos von SARACEN gerade ideal, will ich meinen. Hier bekommt man Dynamikwechsel, ruhige Passagen, die die Spannung steigern, Ausbrüche in deutlich kraftvollere Gefilde, ganz, ganz große Soli ohne Ende serviert. Gewidmet ist das Album übrigens Ur-Basser Barry Yates, der 1992 mit 38 Jahren verstarb. RIP, Brother! Auch in gesetzterem Alter wissen die Herren noch, wie man kraftvolle Rocksongs erfüllt mit purer Leidenschaft und Magie. Diese Musik ist zeitlos und unsterblich! Ganz groß! (Online 12. November 2004)
|