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Viele Fans waren von A PERFECT CIRCLE’s Debüt “Mer De Noms” schwer beeindruckt, nicht zuletzt weil Sänger Maynard James Keenan gleichzeitig auch für TOOL tätig war. „Meine Güte“, meinte die Mainstreampresse, „was muss dieser Maynard James Keenan doch für ein Kerl sein, wenn er gleichzeitig in zwei Bands singt!“. Soll dass das Beeindruckende gewesen sein? Kennen diese Leute nicht solche Typen wie Mike Patton, Dan Swanö, Hellhammer, Tchort, Steven O’Malley oder die zahllosen anderen Musiker, die gleichzeitig in mehr Bands aktiv sind, wie ich Finger und Zehen habe? Nein, das Beeindruckende an „Mer De Noms“ war vielmehr, dass es ein Zeugnis dafür war, dass auch die heutige Popkultur noch anständige Musik respektieren kann. Dieses Album hatte große Klasse, sowohl musikalisch als auch von den Texten her und es erhielt dennoch Anerkennung von den Massen.
Zwei Jahre später kehrten A PERFECT CIRCLE mit dem Nachfolger „Thirteenth Step“ zurück, ein Album, das die Popularität und die musikalische Glaubwürdigkeit der Band weiter zementieren sollte. Die Songs hier unterscheiden sich stark von denen von „Mer De Noms“. Sie haben einen stärkeren TOOL Einfluss, vor allem was die Gitarren betrifft. Manchmal könnte man glatt schwören, dass manche Gitarrenparts von Adam Jones geschrieben sein müssen. Abgesehen vom avantgardistischen „Vanishing“ und dem extrem TOOL mäßigen „The Package“, sind auch die Songstrukturen viel direkter, meistens hat man es mit dem aus dem Pop typischen „Strophe-Refrain-Strophe“-Schema zu tun. Die dunkle, ominöse und zerbrechliche Stimmung des Debüts wurde durch eine verträumte, schlüssige Atmosphäre ersetzt. „Thirteenth Step“ ist sehr atmosphärisch, es besitzt eine sowohl kraftvolle als auch sehr surreale Art von Melancholie, ohne das man dabei durch simple Heaviness mehr Intensität erzeugen würde. Diese Art von Musik bringt die Leute schon viel eher zum tanzen.
Leider ist “Thirteenth Step” nicht so locker wie man es gerne hätte. „Weak And Powerless“ ist ein radiotauglicher Schmeichler und der Refrain von „Blue“ ist einer der furchtbarsten, die ich je gehört habe. Das Album umfasst zudem zwei belanglose Instrumentals, „Crimes“ und „Lullaby“. Instrumentals sind toll, wenn sie als eigenständige Songs funktionieren oder die Stimmung eines Albums untermauern, aber beides trifft auf diese zwei Tracks nicht zu, sie sind eher Zeitverschwendung.
„Thirteenth Step“ wird oft als A PERFECT CIRCLE’s Meisterwerk betrachtet, das trifft für meinen Geschmack eher auf „Mer De Noms“ zu, denn auf jenem Album findet man den ultimativen Kampf zwischen künstlerischer Kreativität und Massentauglichkeit vor. Die Musik ist agil und die Emotionen sind vorhanden, aber die Songstrukturen sind mehr als vorhersehbar und die Melodien sind alles andere als innovativ oder originell. Natürlich ist und bleibt es eine ordentliche Scheibe und wer auf die eher softere Seite des Metals steht (GREEN CARNATION, WINDS) sollte die Scheibe ruhig mal anchecken. (Online 18. November 2005)
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